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Thorsten Brehm | Mein Blog aus dem Nürnberger Rathaus

Pendlerströme nehmen weiter zu

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In keiner anderen Stadt in Nordbayern gibt es so viel Pendlerverkehr wie in Nürnberg. 2016 wurde mit 156.000 Berufseinpendlern ein neuer Höchststand erreicht.

Die Zahlen unterstreichen die Qualitäten des Standorts Nürnberg und seine gewachsene Wirtschaftskraft. Mit rund 300.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gibt es in der Stadt so viele Arbeitsplätze wie noch nie. Das ist aufgrund der vielen wirtschaftlichen Umbrüche und des Strukturwandels, der uns hart getroffen hat, keine Selbstverständlichkeit und im Grunde positiv. Allerdings gehen damit natürlich auch nennenswerte Herausforderungen für die Verkehrsinfrastruktur einher, die im nächsten Jahrzehnt wohl noch steigen werden.

Unser Straßensystem kommt irgendwann an seine Belastungsgrenze. Wir müssen deshalb S-, U- und Straßenbahn ausbauen und möglichst viele Pendler dazu bewegen, ihr Auto stehen zu lassen.

Allein aus dem Korridor Erlangen und Herzogenaurach pendeln rund 11.000 Menschen nach Nürnberg ein. Das zeigt, wie wichtig der Bau der Stadt-Umland-Bahn ist. Das jetzige Bussystem ist nicht unbedingt die attraktivste Lösung und sollte deswegen durch eine leistungsfähigere Straßenbahnverbindung abgelöst werden. Davon profitieren auch die Hochschulstandorte in Nürnberg und Erlangen, die besser miteinander verbunden werden.

Aus dem Süden mit Schwabach und den Landkreisen Roth und Weißenburg-Gunzenhausen pendeln täglich fast 20.000 Berufstätige nach Nürnberg. Hier ist insofern Besserung in Sicht, als dass der heutige Allersberg-Express ab 2018 als S5 zwischen Nürnberg und Allersberg in das S-Bahn-Netz integriert werden soll. Damit wird die Attraktivität der Verbindung erhöht. Aber auch die Stadt Nürnberg ist in der Pflicht, ihre Straßenbahnausbaupläne in den Nürnberger Süden zügig voranzutreiben. Wir wollen auf jeden Fall bis nach Kornburg. Zudem hoffe ich, dass perspektivisch auch eine Verlängerung über Wendelstein in den Landkreis Roth gebaut wird. Hier gibt es einfach noch viel an Potential, das man zum Umsteigen bewegen kann.

Pendlerachsen Stadt Nürnberg – Berufseinpendler

Quelle: VGN-Verkehrsentwicklungsbericht 2016
Datenbasis: Bundesagentur für Arbeit, sozialversicherungspfl. beschäftigte Arbeitnehmer

Weitgehende S-Bahn-Diaspora ist die ganze Achse in den Westen durch den Landkreis Fürth bis nach Neustadt/Aisch. Für einen Ausbau fanden bereits erste Untersuchungen statt, wie der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) mitteilte. Für die Sozialdemokraten ist klar, dass hier dringend ein Ausbau erfolgen muss und auch die U-Bahn bis nach Stein nicht aus den Augen verloren werden darf.

Neben dem Ausbau der Infrastruktur gibt es allerdings auch die Notwendigkeit, das Tarifsystem fortzuentwickeln. Das ist derzeit nicht in allen Punkten sehr pendlerfreundlich. Ein Beispiel: Sie bezahlen heute für einen Fahrschein von Erlangen-Tennenlohe ins Knoblauchsland mehr als von Katzwang in den Nürnberger Norden. Erste Strecke ist allerdings deutlich kürzer. Das ist weder gerecht noch attraktiv. Durch die Digitalisierung des ganzen Fahrkartensystems bin ich aber zuversichtlich, dass wir eine Tarifstruktur entwickeln können, dass sich stärker an der tatsächlich zurück gelegten Strecke orientiert.

Grenzen werden der Vielzahl an Projekten durch die finanziellen Spielräume gesetzt. Die Stadt Nürnberg plant bis 2020 163 Millionen Euro in den Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur zu investieren. Zudem muss ein Verlust der städtischen Verkehrsbetriebe von rund 70 Millionen Euro jährlich geschultert werden. Wir könnten deutlich mehr und vieles schneller realisieren, wenn Bund und Land nicht so zögerlich und zurückhaltend in der Unterstützung wären. Durch den Diesel-Skandal und die Notwendigkeit in umweltfreundliche Mobilität zu investieren, kommt aber wieder etwas in die Bewegung in die Debatte. Der Freistaat Bayern, der sich für die S-Bahn verantwortlich zeichnet, sollte seine Prioritäten ebenfalls entsprechend setzen.

Thorsten

Autor: Thorsten

kandidiert 2020 als Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Nürnberg.

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